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Jessicas Rede auf der Anti-AfD-Kundgebung

12. Februar 2019  Allgemein

Liebe FreundInnen, liebe ReutlingerInnen,
ich freue mich, dass so viele heute hier sind, um das klare Zeichen zu setzen, dass die AfD in Reutlingen unerwünscht ist. Sie konnte noch keine einzige Veranstaltung in Reutlingen vollziehen, ohne unseren begleitenden lautstarken Protest – und das ist gut so!
Wer das gesellschaftliche Klima mit menschenverachtendem Gepöbel vergiftet, wer für jedes gesellschaftliche Problem fälschlicherweise die Migration verantwortlich macht, wer versucht mit Vorsatz Hass zu schüren, der wird sich von uns wieder und wieder anhören müssen, dass er nicht
willkommen ist!
Auch im Bundestag ist die AfD kaum zu ertragen. Es ist nicht nur der fremdenfeindliche Inhalt ihrer Worte. Sie lassen mit ihrem höhnischen Gelächter, ihrem störenden Gehabe, ihren aggressiven und permanenten Zwischenrufen jede Umgangskultur und jedes Benehmen vermissen.
Ich frage mich daher, welche Kultur und welche Werte es sein sollen, die die AfD hier vorgibt zu verteidigen.
Sie geniert sich nicht einmal, sich zur Verteidigerin von Frauenrechten aufzuschwingen, die gegen geflüchtete Männer und den Islam geschützt werden müssten. Dabei ist sie es selbst, die ein gestriges Frauenbild vorantreibt, das die Frau zurück an Heim und Herd verfrachten soll. Nicht mit uns!


In Wahrheit müssen die Werte der Demokratie, Gleichstellung und des sozialen Zusammenhalts gegen die AfD verteidigt werden.
Es geht ihr nicht um den so genannten „kleinen Mann“, was sie glauben machen möchte.
Das Wirtschaftsprogramm der AfD ist zutiefst neoliberal, fordert weitere Privatisierungen und lehnt eine stärkere Besteuerung von Superreichen ab.
Die AfD stellt sich vehement gegen öffentlichen Wohnungsbau und jede Regulierung von Mieten.
Was den Menschen das Leben heute schon schwer genug macht, wollen die noch vorantreiben und verschärfen!
Wenn es im Bundestag um die Sanktionen bei Hartz IV geht oder um Massenentlassungen bei profitablen Unternehmen – dann steht die AfD niemals an der Seite der Menschen, die endlich von der Politik geschützt werden müssen – sondern sie zeigt sich wirtschaftsdevot und steht stramm an der Seite des Kapitals. Die AfD missbraucht auf schändliche Weise die sozialen Missstände, die mit den Nährboden für ihren Einzug in die Landtage und in den Bundestag bereitet haben. Sie will sie auch nicht beseitigen.
Die AfD braucht das alles für ihre Stimmungsmache gegen Flüchtlinge und Muslime. Die Höckes, Gaulands und Weidels missbrauchen ihre Mandate, um rechtsextremes Gedankengut wieder aussprechbar zu machen.
Aber weder geflüchtete oder muslimische Menschen sind es, die uns bedrohen, sondern der fahrlässige Sozialstaatsabbau der vergangenen Jahrzehnte.
Die Bedrohung heißt Altersarmut, sie heißt Wohnungsnot und Niedriglöhne, ungerechte Verteilung der Vermögen. Sie heißt Aufrüstung für Abermilliarden und sie heißt Rassismus. Gegen diese Missstände müssen wir eintreten und den Menschen zeigen, dass ihre realen Probleme in der politischen Debatte, außerparlamentarisch und in den Parlamenten, wieder eine ernsthafte Rolle spielen. Die AfD hat kein einziges vernünftiges Angebot für sie.
Wer gegen Gruppen von Menschen mit Hass und Hetze Politik betreibt, wird es bald auch gegen weitere tun.
Gegen Rassismus, Antisemitismus und andere Herabwürdigungen von Personengruppen muss immer auch heißen gegen soziale Spaltung.
Denn in einer sozial gerechten Gesellschaft haben rechtsextreme Kräfte keine Angriffsfläche und keine Sündenböcke, die angeblich Schuld am Leid anderer sind. Deshalb ist es so wichtig, dass heute von uns das unmissverständliche Signal ausgeht, dass Solidarität und nicht Spaltung die Grundlage unseres Zusammenlebens bildet und, dass wir entschlossen
für diese solidarische Gesellschaft einstehen. Die AfD hat in ihr keinen Platz!

Alle Redebeiträge auf der Kundgebung:
https://rosa-reutlingen.de/2019/02/11/redebeitraege-der-kundgebung-am-08-02-in-reutlingen/

Solidarisch mit den streikenden Busfahrern

05. Februar 2019  Allgemein

Auf dem Reutlinger Zentralen Busbahnhof (ZOB) haben heute (5. Februar) die Busfahrerinnen und Busfahrer gestreikt. Wir sind solidarisch mit ihnen.

Bernd Riexinger, Parteivorsitzender DIE LINKE. und MdB für Stuttgart erklärt dazu: 

„Wer Busfahrer*innen schlecht bezahlt, muss sich nicht wundern, wenn es mit der Verkehrswende nicht klappt. Verständlich, dass die Menschen im Land wütend sind, wenn Gerichte einerseits Fahrverbote verhängen und das private Omnibusgewerbe andererseits die Forderungen von Busfahrer*innen für eine berechtigte Lohnsteigerung von 5,8% ablehnen. Absurd wird es vollends, wenn Arbeitgeber*innen die Aufnahme von Azubilöhnen in den Tarifvertrag ablehnen. Klar ist doch, dass der bestehende Mangel an Busfahrer*innen im ländlichen Raum, nur mit einer besseren Bezahlung und ausreichend Ausbildungsplätzen behoben wird. Erst dann sind höhere Takte und bessere Verbindungen.“

Warum der Streik berechtigt ist, wird klar in der Fahrgastinformation der Gewerkschaft ver.di aufgezeigt:

Vertrauen Sie uns?
Tarifrunde Entgelt WBO – privates Omnibusgewerbe BW

Jeden Tag fahren wir Sie oder ihre Kinder sicher zu Schule, Arbeit, Einkauf, zum Bahnhof und zum Bier. Bei jedem Wetter. Tag und Nacht. Auch am Sonntag. Sie vertrauen sich uns an – und wir haben dieses Vertrauen noch nie enttäuscht.

Jetzt streiten wir mit unseren Chefs um unseren Lohn. Wir bekommen 14,64 € pro Stunde. Wer mindestens zwei Jahre dabei ist, bekommt 16,07 €. Und nach zehn Jahren Busfahren sind es dann 17,00 €.

Wir fahren fünf Stunden am Stück, ohne auf Toilette gehen zu können. Wir sehen unsere Kinder nicht, weil unsere Schichten 10 oder 12 Stunden dauern (von denen oft zwei oder drei Stunden nicht bezahlt werden). Das, was von unseren Pausen übrigbleibt, wenn wir endlich durch den Berufsverkehr durch sind, verbringen wir oft im Bus oder in der Kälte. Und wir machen Monat für Monat Überstunden, weil 800 Busfahrerinnen und Busfahrer in Baden-Württemberg fehlen.

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Zur Oberbürgermeisterwahl in Reutlingen am 3. Februar 2019

29. Januar 2019  Allgemein

Am Sonntag, 3. Februar 2019 wählen die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Reutlingen in der ersten Runde ihre neue Oberbürgermeisterin/Ihren neuen Oberbürgermeister. Auch nach den inzwischen zahlreichen Diskussionsrunden, den öffentlichen Plakaten und den Positionierungen in den Zeitungen fragen sich noch viele Bürgerinnen und Bürger, wen sie wählen wollen.

Die Linke/Linke Liste hat keinen eigenen Kandidaten/keine eigene Kandidatin zur Wahl aufgestellt. Umso wichtiger ist es, inhaltlich wichtige Kriterien zu benennen und die Kandidatinnen/Kandidaten daran zu messen.

Die Linke/Linke Liste hat auf einer Mitgliederversammlung diese Inhalte diskutiert und drei zentrale Punkte aufgestellt, die für eine Wahlentscheidung aus unserer Sicht am 3. Februar am wichtigsten sind:

  • Wohnen und Mieten
  • Mobilität
  • Soziales

Wohnungsbaupolitik und Miethöhe

Was vor allem fehlt in Reutlingen, sind bezahlbare Wohnungen. Der Soziale Wohnungsbau kam nach dem Jahr 1990 praktisch zum Erliegen. Die Zahl der Wohnungen mit Sozialbindung nahm von Jahr zu Jahr immer mehr ab.

Dagegen wird in Reutlingen bisher viel zu wenig unternommen. Die in Planung befindlichen Bauprojekte und vorgesehenen Baugebiete reichen nicht aus und kommen zu spät. Die „Reutlinger Wohnbauflächenoffensive“ sieht auf dem Papier bei künftigen Baugebieten einen Sozialwohnungsanteil von einem Drittel vor. Aber realisiert werden unter dem Strich nur weniger als 20%. Selbst die städtische GWG Reutlingen will innerhalb der nächsten 10 Jahre gerade einmal 40 Sozialwohnungen pro Jahr bauen – ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Linke Liste im Reutlinger Gemeinderat hat einen Antrag zur umfassenden Neuausrichtung der GWG gestellt zur Ausrichtung dieser Gesellschaft auf die Grundsätze der Gemeinnützigkeit im Wohnungsbau. Mit über 250 Mio. € Kapital in den freien Rücklagen verfügt die GWG auch über die zu einer Umsteuerung nötigen Mittel.

Ausreichend bezahlbarer Wohnraum muss geschaffen werden sowohl für einheimische Wohnungssuchende als auch für Flüchtlinge und Asylbewerber. Nur so kann verhindert werden, dass die Gruppen gegeneinander ausgespielt werden können.

Verkehr und Mobilität

Reutlingen hat große Verkehrsprobleme. Der Achalmtunnel ist zwar fertig und schafft aktuell auch eine Verkehrsentlastung für die Innenstadt. Die Dietwegtrasse als Verlängerung des Tunnels zum Zubringer würde aber zusätzlichen Verkehr anziehen. Eine Überlastung des Tunnels führt dann zwangsläufig wieder zu einer Abdrängung von Verkehr in die Innenstadt.

Die neue Trasse würde auch zu mehr Lärm und zum Verlust eines wichtigen Erholungsraums in Sondelfingen und im Norden Reutlingens führen. Und der diskutierte neue Albaufstieg wäre ökologisch völlig unverantwortlich. Er würde zu mehr Schwerlastverkehr führen, der jetzt über die Autobahnen läuft.

Statt mehr Straßen ist ein klares Bekenntnis zur Schiene die bessere Lösung. Die Stadt hat mit dem Ankauf des Güterbahnhofs einen Anfang gemacht, der weiterentwickelt werden kann. Der Verkehr nach Süden und in die Schweiz könnte von hier aus auf die Schiene gesetzt werden. Die ICE Neubaustrecke Stuttgart-Ulm taugt für einen Gütertransport nicht. Neue geeignete Güterbahnstrecken in Richtung Alpen müssen gefunden werden und sind sicher auch ein Thema für einen zukünftigen Rathauschef.

Sozialpolitik und Armut

Auch in Reutlingen breitet sich Armut immer mehr aus. Ältere mit geringer Rente gehören ebenso dazu wie Hartz IV Empfängerinnen und Empfänger, Alleinerziehende oder Langzeitarbeitslose. Die ‚Tafeln‘ und die Vesperkirche haben immer größeren Zulauf. Teilhabe am kulturellen Leben ist bei diesen Personenkreisen immer mehr eingeschränkt. Sozialtickets, erschwingliche VHS-Kurse und kostenlose Kitas sind überfällig und zusätzlich zu bezahlbarem Wohnraum zu gewähren.

Um das alles finanziell zu stemmen, brauchen die Kommunen Geld. Sie sind aber strukturell unterfinanziert. Eine neue OB/ ein neuer OB sollte sich auch auf Landes- und Bundesebene engagieren für mehr Steuergelder in die kommunalen Haushalte.

An den Positionen zu diesen drei Politikfeldern sind die Kandidat*innen aus linker Sicht zu messen.

Die Wahl

Auf jeden Fall wählen gehen! Eine hohe Wahlbeteiligung und ein überzeugendes Stimmenergebnis wir einem künftigen Stadtoberhaupt den Rücken stärken. Aber die OB-Wahl ist nur die eine Seite. Im Rat hat ein Oberbürgermeister auch nur eine Stimme. Es kommt also auch auf die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 an.

Und: Zivilgesellschaftlicher Druck von unten, von der Basis, auch während der Amtszeit ist immer nützlich. Auch dadurch lässt sich Einfluss ausüben.

Sollt es dann am 24. Februar 2019 zu einem 2. Wahlgang kommen, wird Die Linke/Linke Liste auf dem Hintergrund des Wahlergebnisses die Bürgerinnen und Bürger dann noch einmal neu informieren.

12. Alternativer Neujahrsempfang: »Wir sind mehr!«

17. Januar 2019  Allgemein

Wir wollen ein friedliches Miteinander, weltweit, geprägt von Toleranz und gegenseitigem Respekt. Wir engagieren uns für einen Schutz gebenden und achtungsvollen Umgang mit Flüchtenden.
Wir setzen uns ein für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und für mehr soziale Gerechtigkeit.
Angesichts der Klimaveränderung und des für uns alle bedrohlichen Rechtsrucks in unserer Gesellschaft fordern wir von Wirtschaft und Politik ein Mehr an ökologischer, sozialer und demokratischer Gestaltung.
Wir sind selbst aktiv. Wir nehmen uns Zeit, um miteinander Perspektiven für eine bessere Zukunft und ein Mehr an gesellschaftlichem Zusammenhalt zu entwickeln.
WIR SIND MEHR!
Und wir freuen uns auf Sie.
Sonntag, 20.Januar 2019, 11–13.30 Uhr, Einlass 10:30 Uhr
Kulturzentrum franz.K, Unter den Linden 23, 72762 Reutlingen
Plakat Download (PDF)

Neujahrsempfang – Kampf gegen Ungleichheit

11. Januar 2019  Allgemein

ZWEI, DIE SICH SCHÄTZEN: DIE REUTLINGER BUNDESTAGSABGEORDNETE JESSICA TATTI (LINKS) UND GESINE LÖTZSCH, LANGJÄHRIGE ABGEORDNETE UND STELLVERTRETENDE FRAKTIONSVORSITZENDE DER LINKEN IM BUNDESTAG. FOTO: NIETHAMMER

VON ULRIKE GLAGE – GEA 11.01.2019

Linke – Neujahrsempfang mit Dr. Gesine Lötzsch und vielen Gästen. Einstimmung auf Kommunalwahlen

REUTLINGEN. »Ich glaube, wir brauchen ein größeres Wahlkreisbüro«, sagte Jessica Tatti augenzwinkernd zum Auftakt des Neujahrsempfangs der Linken mit Blick auf den proppenvollen Saal, die dicht umlagerten Stehtische und die bis in den Flur hinein stehenden Gäste. Die Reutlingerin blickte nicht nur zurück auf ihr erstes Jahr als Bundestagsabgeordnete, sondern wie Festrednerin Dr. Gesine Lötzsch auch nach vorn: auf die anstehenden Kommunalwahlen. Und da wollen die Linken im Gemeinderat und Kreistag ordentlich zulegen. Ein geräumigeres Büro könnte also durchaus notwendig werden.

Außer Parteifreunden waren Stadt- und Kreisräte fast aller Fraktionen gekommen, Sozialbürgermeister Robert Hahn, Vertreter aus dem sozialen und kulturellen Bereich, Gewerkschafter. Und, so Tatti: »Es gibt gewisse Chancen, dass der nächste Oberbürgermeister unter uns ist.« Denn bis auf CDU-Kandidat Dr. Christian Schneider und Andreas Zimmermann (Die Partei) waren alle Anwärter aufs OB-Amt zum Neujahrsempfang gekommen.

Der begann rockig mit »Madaus und Band« und insofern unüblich, als es den Begrüßungsdrink schon vor den Ansprachen gab. Den gut gelaunten Gästen gab Jessica Tatti einen persönlichen Einblick ins vergangene Jahr. »Es war politisch sehr turbulent und hat mein Leben verändert.« Inzwischen sei sie angekommen in ihrem »neuen« Leben als Bundestagsabgeordnete. In Berlin, aber auch in ihrem Wahlkreis Reutlingen: »Als ehemalige Stadträtin ist es mir wichtig, Ansprechpartnerin vor Ort zu sein.«

Als Glücksfall bezeichnete es Jessica Tatti, dass sie genau in den Ausschuss kam, in den sie unbedingt wollte: den für Arbeit und Soziales. Hier wie in der Enquete-Kommission »Künstliche Intelligenz«, in der sie ebenfalls Mitglied ist, gehe es um zukunftsträchtige Themen. »Da ist eine Politik gefragt, die die Transformation der Gesellschaft sozial gestaltet.« Arbeit müsse gerechter verteilt werden, etwa durch Arbeitszeitverkürzungen bei vollem Lohnausgleich.

 

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Nachruf · Karl Weingärtner Kämpfer für die Demokratie

11. Januar 2019  Allgemein

Bild: Schwäbisches Tagblatt

Von Uschi Kurz, Schwäbisches Tagblatt 10.01.2019

 

Der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Prof. Karl Weingärtner ist tot. Er starb am 6. Januar im Krankenhaus an den Folgen eines Sturzes. Weingärtner wäre am kommenden Samstag 87 Jahre alt geworden.

Der gebürtige Heilbronner war ein Urgestein der Sozialdemokraten: Er war 52 Jahre Mitglied der SPD; 24 Jahre saß er im Reutlinger Gemeinderat, 13 Jahre im Reutlinger Kreistag und 12 Jahre lang im Stuttgarter Landtag. Weingärtner, der Geschichte studiert hat, war 30 Jahre lang Professor, sechs Jahre leitete er die Pädagogische Hochschule in Reutlingen. Ehrenamtlich engagierte er sich unter anderem beim Freundeskreis der Württembergischen Philharmonie und in der Arbeiterwohlfahrt.

Der ehemalige TAGBLATT-Redakteur Bernd Ulrich Steinhilber initiierte im Mai 2013 anlässlich der 150-Jahrfeiern der SPD eine Begegnung zwischen Weingärtner, seinem Parteifreund Peter Mürdter und der jungen SPD-Gemeinderätin Silke Bayer. Zum Gespräch im Oferdinger Haus von Weingärtner brachte sie eine rote Nelke mit. Und Karl Weingärtner (unser Bild) freute sich riesig, dass er Bayer endlich kennenlernte. Steinhilber schrieb damals: „Karl Weingärtner, aus einem Arbeiterhaushalt stammend, hat 1945 als 13-Jähriger erfahren, dass sein Vater ein radikaler Linker war. Gehört hat er es von einem Freund des Vaters, der aus Dachau kam. Und erfahren hat er auch, dass sein Vater eine ganze Schubkarre voll mit Werken von Marx und anderen Sozialisten in einen Bach geschüttet hat – ‚weil es so riskant war, diese Literatur zu besitzen‘“.

Auch andere Eindrücke waren Weingärtner immer noch präsent: die Leute, die aus dem Krieg zurück gekommen sind, die völlig kaputte Hitlerjugend: „Das hat mich bewegt und sehr stark politisiert.“

Historische Erfahrungen waren es, weshalb Weingärtner Sozialdemokrat wurde und sich als solcher immer der „Roten Fraktion“ zugehörig fühlte. Und er kannte keine Berührungsängste. Als die der Links-Partei nahestehende Rosa Luxemburg Stiftung 2008 zur Gründung eines Rosa-Luxemburg-Clubs in die Gaststätte „Waldesslust“ lud, hielt er einen Vortrag über Rosa Luxemburg, der um den Satz aus Luxemburgs Manuskript zur Russischen Revolution kreiste: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ SPD-Fraktionschef Helmut Treutlein spricht von Weingärtner als unermüdlichem Kämpfer für die Demokratie. Die Demokratie brauche Demokraten, „die sie zu verteidigen wissen“, habe er immer gesagt.

Weingärtners Leidenschaft aber war die Kultur. Im Landtag war er kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Er setzte sich für die finanzielle Absicherung der Württembergischen Philharmonie ein und für eine Förderung der soziokulturellen Zentren. Weingärtner sprach das Wort Kultur immer französisch aus: „Culture“, weshalb er von manchen Journalisten bisweilen „Monsieur Culture“ genannt wurde. Und das war durchaus liebevoll gemeint.

Das war unser Jahr…

31. Dezember 2018  Allgemein


Die Hightlights unseres politischen Jahres.
Was fehlt: Infostände, Aktionen, Stammtische…

Die Eröffnung unseres neuen Büros, dank Jessica Tattis Einzug in den Bundestag
am 25. Januar mit Klaus Ernst und mehr als 100 Gästen.
https://die-linke-reutlingen.de/neujahrsempfang-im-neuen-buero/

30. Januar – die Linke Liste bekommt im Gemeinderat die Mehrheit einige ihrer Anträge zu Luftreinhaltung (Lastenräder statt Lieferwagen in der Innenstadt, Mobilitätspunkte, Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung).
https://lili-rt.de/2018/03/06/links-wirkt-teilerfolge-der-linken-liste/
https://lili-rt.de/2018/01/19/unsere-vorschlaege-zur-luftreinhaltung/

Am 14. Februar berichtete Jessica Tatti bei einem
öffentlichen Stammtisch über ihre ersten Erfahrungen als Bundestagsabgeordnete.
https://die-linke-reutlingen.de/bericht-aus-berlin/

Internationaler Frauentag am 8. März. DIE LINKE beteiligt sich an der Demonstration und Kundgebung.
https://die-linke-reutlingen.de/8-maerz-internationaler-frauentag-3/

ebenfalls am Warnstreik des öffentlichen Dienstes auf dem Reutlinger Marktplatz.
https://die-linke-reutlingen.de/die-linke-solidarisch-an-der-seite-der-beschaeftigten-im-oeffentlichen-dienst/

14. März – Thomas Ziegler und Rüdiger Weckmann laden zu Pressegespräch ein.
Die Stadträte der Linken sprechen über die Probleme der Stadt:
Schwerpunkt Luftreinhaltung und Auskreisung.
https://lili-rt.de/2018/03/15/rathauschaos-in-reutlingen-die-stadtraete-der-linken-sprechen-ueber-die-probleme-der-stadt/

Am 31. März beteiligen sich zahlreiche Reutlinger am Stuttgarter Ostermarsch.
https://die-linke-reutlingen.de/ostermarsch/

Am 4. April referierte Claudia Haydt über „Syrien – Hölle mit Ansage“.
https://die-linke-reutlingen.de/veranstaltung-zu-syrien-mit-claudia-haydt/

12. April – erste kulturelle Veranstaltung im Linken-Büro: „Kleinstadthippies“.
https://die-linke-reutlingen.de/kultur-im-saal-des-linken-bueros/

26. April Thomas Ziegler „Ein streitbarer Linker gibt Mandat ab“.
https://lili-rt.de/2018/03/24/thomas-ziegler-gibt-mandat-ab-presseberichte/

Thomas Ziegler: Nach 35 Jahren Kommunalpolitik – ein Schritt zurück.

26. April Carola Rau wird Stadträtin.
https://lili-rt.de/2018/04/04/folgt-auf-thomas-ziegler-carola-rau-wird-stadtraetin/

30. April – Vortrag über die berühmte Fotografin Gerta Taro von Reinhard Neudorfer.
https://die-linke-reutlingen.de/gerta-taro-und-der-spanische-buergerkrieg/

23. Mai Tobias Pflüger berichtet über seine Afghanistan-Reise als BT-Abgeordneter.
https://die-linke-reutlingen.de/tobis-pflueger-berichtet-aus-afghanistan/

25. Mai – Ausführlicher GEA-Bericht über die Idee einer autofreien Altstadt:
https://lili-rt.de/2018/05/24/ziel-autobefreite-altstadt/

Für diese Idee findet sich eine Gemeinderatsmehrheit:
https://lilirt.files.wordpress.com/2018/09/interfraktioneller-antrag_autofreie-altstadt_24-09-2018.pdf

Am 6. Juni widerspricht Jessica Tatti in ihrer ersten Bundestagsrede der CDU/SPD
deren Schönreden des Arbeitsmarkts:
https://die-linke-reutlingen.de/cdu-und-spd-feiert-situation-auf-dem-arbeitsmarkt-jessica-tatti-antwortet/

20. Juli – Frank Tempel – Drogenfahnder – referiert zum Thema Drogen.
https://die-linke-reutlingen.de/drogenverbote-loesung-oder-teil-des-problems/

August
Jessica Tatti geht mit den Reutlinger linken Mandatsträgern auf Tour zu ihren Sommergesprächen:
https://die-linke-reutlingen.de/sommergespraeche-zu-aktuellen-themen/

2. Oktober – Antrag der Linken Liste findet Mehrheit:
https://lili-rt.de/2018/10/02/reutlinger-verkehrsuebungsplatz-bekommt-toilettencontainer/

4. Oktober – Elisabeth Abendroth referiert über ihren berühmten Vater Wolfgang Abendroth
https://die-linke-reutlingen.de/elisabeth-abendroth-berichtet-ueber-ihren-vater/

5. bis 7. Oktober Eine Gruppe der Reutlinger Linken trifft sich zum Austausch in Remscheid mit den dortigen Linken.
https://die-linke-reutlingen.de/die-linke-remscheid-empfing-gaeste-aus-pirna-und-reutlingen/

14. Oktober – der Parteivorsitzende Bernd Riexinger stellt sein Buch vor: „Gute Arbeit für alle – Neue Klassenpolitik“.
https://die-linke-reutlingen.de/bernd-riexinger-kommt/

23. Oktober – Rüdiger Weckmanns Rede zur Haushaltseinbringung:
https://lili-rt.de/2018/10/24/rede-zum-reutlinger-doppelhaushalt/

11. November – der Historiker Stefan Bollinger referiert über die November-Revolution vpr 100 Jahren.
https://die-linke-reutlingen.de/november-1918-als-die-revolution-nach-deutschland-kam/

22. November – Die erste Nummer der lokalen linken Zeitung „Standpunkte“ erscheint.
https://die-linke-reutlingen.de/standpunkte-erste-nummer-erschienen/

25. November – Karl-Heinz Bischof spricht für DIE LINKE beim Gedenktag für die Opfer des Faschismus.
https://die-linke-reutlingen.de/karl-heinz-bischofs-rede-vvn-gedenkfeier/

Dezember
Haushalt Kreistag – Erfolge in den Vorberatungen:
https://lili-rt.de/2018/12/15/bereits-erfolge-fuer-haushaltsantraege-der-kreis-linken/

Thomas Zieglers Haushaltsrede im Kreistag:
https://die-linke-reutlingen.de/thomas-zieglers-rede-zum-kreishaushalt-2019/

Haushalt Gemeinderat: Carola Raus Haushaltsrede am 18.12.:
https://lili-rt.de/2018/12/19/carola-raus-haushaltsrede-am-18-dezember/

Thomas Zieglers Rede zum Kreishaushalt 2019

21. Dezember 2018  Allgemein

Thomas Ziegler

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrter Herr Landrat,
meine Damen und Herren,

wir alle, die wir heute über den Haushalt des Landkreises Reutlingen für das Jahr 2019 abzustimmen haben, sind erfahrene Kommunalpolitiker, die mit den Lebensverhältnissen unserer Einwohner im Landkreis zumindest einigermaßen, mit jenen unserer Bürger vor Ort bestens vertraut sind. Uns allen ist nicht verborgen geblieben, dass sich die Lebensumstände unserer Bürger in den vergangenen zwanzig, dreißig Jahren deutlich verändert haben, hin zu einer zunehmenden Auseinanderentwicklung zwischen – grob gesagt – arm und reich; genauer: in eine kleine, aber abgesichert wohlhabende Oberschicht einerseits und in nicht nur um ihr Dasein kämpfende Bedürftige, sondern zudem um einen um seine Zukunft zunehmend besorgten, ja bangenden Mittelstand.
Uns ist wohl bewusst, dass die dafür verantwortlichen ausschlaggebenden politischen Entscheidungen – Hartz IV bildet lediglich die berüchtigtste davon – nicht hier, sondern in vormals Bonn und jetzt Berlin, teils auch in Brüssel getroffen wurden.
Dennoch: auch wir auf kommunaler Entscheidungsebene können und dürfen uns unserer sozialen Verantwortung, dort wo wir noch Einfluss zu nehmen vermögen, nicht entziehen – sondern haben uns ihr zu stellen!

Für unsere Einwohner bilden ihre Möglichkeiten, Orte außerhalb ihres eigenen Wohnorts aufzusuchen, maßgeblichen Bestandteil gesellschaftlicher Teilhabe, oft zudem Voraussetzung für Bildung – nicht nur schulische – und Aufnahme sowie Ausübung einer Berufstätigkeit.

Dass für Jemanden, der auf den Bezug von Leistungen ALG II – Hartz IV – angewiesen bleibt, aus dessen Regelsatz für monatliche Fahrtkosten lediglich ein Anteil vorgesehen ist von € 30, schreit zum Himmel:
die Monatskarte für eine Naldo-Wabe kostet demgegenüber € 56,80 –
und dies für all jene Menschen aus unserem Kreis, die auf Bus und Bahn dringend angewiesen sind, da diese für sie häufig das einzige Fortbewegungsmittel bilden.
Das Sozialticket wird von uns Linken deshalb für diesen Kreishaushalt erneut zum Antrag gestellt – steter Tropfen höhlt den Stein. Immerhin bewegt sich naldo in seinen Tarifstrukturen in letzter Zeit zwar langsam, aber doch erkennbar verstärkt auf eine mehr soziale Komponente zu.
Gleiches gilt für unseren Antrag auf eine kostenreduzierte Schülermonatskarte: Dass Semester-Tickets für Studenten preisgünstiger ausfallen als Schülerkarten, bleibt weiterhin skandalös und ist durch nichts zu rechtfertigen: Schulbesuch darf mindestens ebenso wie der Besuch einer Hochschule nicht durch die Barriere der Fahrtkosten dorthin erschwert werden!

 

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Rückkehr der Atomkriegsgefahr?

30. November 2018  Allgemein

Bildergebnis für atombomben die linkeWir laden ein zum öffentlichen Stammtisch: Am Mittwoch, den 05. Dezember um 19:30 Uhr im Cafè Nepomuk.
Hans Schäfer referiert über die veränderten Strategien der Atonmächte.

Teilweise arbeiten diese daran, die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen abzusenken, um die Abschreckung zu erhöhen, was aber gleichzeitig das Risiko erhöht, tatsächlich in einen atomaren Krieg einzutreten.
Für den Einsatz im Ernstfall lagern die USA nicht nur ca. 90 eigene Atombomben auf deutschem Boden, sondern zugleich zwischen 40 bis 60 Bomben für die Verwendung durch deutsche Soldaten.
Ein Umstand, den die deutsche Regierung nicht in Frage stellt. Im Gegenteil. Die Bundeswehr ist angewiesen, sich auf die atomare Option vorzubereiten. Mit der Ausbildung von Soldaten für den Atomwaffeneinsatz, mit deutschen Spezialflugzeugen und der Lagerung von US-Atomwaffen in Ramstein und Büchel beteiligt sich Deutschland aktiv an der Vorbereitung eines Atomwaffeneinsatzes.

Karl Heinz Bischofs Rede bei der VVN-Gedenkfeier

25. November 2018  Allgemein

Bei der VVN/BdA-Gedenkfeier am 25.11.2018 auf dem Reutlinger Friedhof unter den Linden sprach Karl Heinz Bischof für DIE LINKE:

Der Volkstrauertag geht zurück auf das Jahr 1919 und sollte an die Toten des 1.Weltkriegs erinnern. Inzwischen gedenken wir jedes Jahr aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.
Im Gedenken an Vergangenes ist das Besinnen auf das Gegenwärtige und der Blick auf Künftiges fast so etwas wie eine Lebensweisheit! Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus ist die aus bitterer Erfahrung entstandene Losung, die uns mitgegeben wurde. Was machen wir daraus?
Ich erinnere dabei an einen Begriff. Wer in Deutschland z. B. Heimat sagt, stößt bei Linken oft auf Unbehagen. Für mich selber war das, fast ein Leben lang, ein Begriff des Kleinbürgertums und irgenwie tabu. Und heute frage ich mich – warum eigentlich? Heimat betrifft uns doch alle! Und neuerdings komme ich zu der Auffassung, dass man den Begriff nicht den Pegidisten, Identitären und überhaupt den Rechten überlassen darf!

Und der Blick auf Künftiges? Wie werden wir lernen mit dem Überwachungskapitalismus umzugehen? Intensiver Austausch wird nötig sein – zwischen allen in der Gesellschaft! Wir müssen darauf gefaßt sein, dass die nächste Dekade im Zeitraffertempo an uns vorbei und wir mit durch die Entwicklung rauschen werden! Was zu tun bleibt? Ein Blick voraus – Was erwartet uns?
Ein Szenario, das Shoshana Zuboff, den Überwachungskapitalismus nennt! Google, Facebook, Amazon – werden sie es schaffen, uns zu ihren neuzeitlichen Sklaven , im übertragenen Sinn, zu verwandeln?
Das, was Google, Facebook, Amazon und andere anstreben ist die Verfügungsgewalt über unsere Daten, mit denen sie unvorstellbare ökonomische Macht anhäufen!
Wir haben ihnen die Kontrolle überlassen und dies ist ein Appell an uns, ich appelliere an alle, an diejenigen von uns, die sich in den digitalen Medien bewegen – aber vor allem an die Politik, an die Gesellschaft – uns diese Kontrolle zurückzuholen! Möglicherweise
sind wir aber alle auch schon so abgestumpft und bemerken gar nicht mehr, welcher Wandel der kapitalistischen Methoden sich hier bemerkbar macht, dass wir diesen Wandel so ungerührt hinnehmen!
Facebook wird uns als Zerstreuung, als Fenster zur Welt angepriesen – es ist ein Problem – ein Schwachsinn! Der Algorithmus der Facebook-Plattform begünstigt emotionale Geschichten, wilde Gerüchte und diffarmierende Lügen. Sie werden zigtausendfach weiterverbreitet und das viel, viel häufiger als seriöse Nachrichten! Die Macher um Mark Zuckerberg haben das Problem bis heute nicht im Griff! Sie verdienen damit Geld – sie wollen das doch überhaupt nicht in den Griff bekommen!
Die Maschine, die sie gebaut haben gefährdet unsere Demokratie, den Rechtsfrieden und den Anstand! Und den Frieden!

Seien wenigstens wir, wieder einmal, Sand im Getriebe!