12 Aug. Rede von Christian Lawan (Reutlinger Bündnis für Menschenrechte) am 06.08.2025 – Wir sagen Danke!
Liebe Menschen hier auf dem Marktplatz, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer in Sachen Menschenrechte, liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
Das Reutlinger Bündnis für Menschenrechte hat heute im Rahmen seiner Marktplatzaktionsreihe „Menschenrechte gelten für Alle“ zu einer Aktion gegen Atomwaffen eingeladen.
Diesmal geht es um den Artikel 3 der UN-Menschenrechtskonvention, das Recht auf Leben und Freiheit
Wir stehen hier heute zusammen am 6. August, dem 80. Jahrestag des Abwurfs der Atombombe auf die japanische Stadt Hiroshima, um uns zu erinnern.
Der Tod kam um 08:16 Uhr. Um das Land zur Kapitulation im Zweiten Weltkrieg zu zwingen warfen US-Streitkräfte eine Atombombe mit dem zynischen Namen „Little Boy“ über der japanischen Stadt Hiroshima am 6. August 1945 ab.
Über Hiroshima stieg rasend schnell eine pilzförmige Wolke auf. Bei der Explosion entstand ein Feuerball mit einer Kerntemperatur von 3900 Grad Celsius, was deutlich mehr als der Hälfte der Temperatur an der Oberfläche der Sonne entspricht.
Die Druckwelle der Atombombe und der anschließende Feuersturm machten 80 Prozent der Innenstadt dem Erdboden gleich. Es gab keinen Schutz vor der unvorstellbaren Zerstörungsgewalt. Ein von Menschen gemachtes Inferno.
Mehr als 70.000 Menschen waren sofort tot.
Und das Massensterben ging weiter. Bis Ende des Jahres 1945 kamen weitere 70.000 hinzu Fünf Jahre später sollten es 200.000 werden. Die Strahlung tötete auch mit Zeitverzögerung. Und niemand kannte bisher die schrecklichen Folgen einer Atombombe. Die Menschen wussten nicht, was mit ihnen geschah.
Weiterhin ist in der Folge über Jahrzehnte das Risiko für Krebs- und Herz-Kreislauferkrankungen anderthalbmal höher als normal.
Weil Japan auch nach Hiroshima nicht kapitulierte, warf die USA am 9. August 1945 eine zweite Atombombe über Nagasaki ab. Diesmal starben dort bis Ende 1945 ca. 74.000 Menschen.
Seit dem 6. August 1947 gedenkt Hiroshima alljährlich der Opfer des Atombombenabwurfs mit einer großen Gedenkfeier.
Im Friedenspark der Stadt wird genau um 8:16 Uhr, dem Zeitpunkt des Abwurfs, die Friedensglocke geschlagen.
Die zerstörte Innenstadt Hiroshimas wurde wieder aufgebaut, nur die Insel im Fluss Ōta wurde als Friedenspark erhalten. Dort befinden sich eine Reihe von Gedenkstätten, darunter eine Flamme, die erlöschen soll, wenn die letzte Atombombe vernichtet worden ist; die heute Atombombenkuppel genannte Ruine der Industrie- und Handelskammer; das Friedensmuseum; eine Erinnerungsstätte für die getöteten koreanischen Zwangsarbeiter. sowie das Kinder-Friedensdenkmal, das an Sadako Sasaki erinnert.
Und an Sadako Sasaki erinnern wir auch heute. Sie wurde am 7. Januar 1943 in Hiroshima geboren. Bei der Explosion wurde sie aus dem Haus geschleudert.
Doch sie überlebte und erlebte als begeisterte Sportlerin eine unbeschwerte Kindheit.
Doch im Alter von 11 Jahren wurde bei Sadako Blutkrebs festgestellt. Im Krankenhaus wurde ihr erzählt, dass der Legende nach, sie überleben könnte, wenn sie 1000 Kraniche falten würde. Sie schöpfte Hoffnung und schaffte die 1000 Kraniche. Doch am Morgen des 25. 10. 1955 starb Sadako im Alter von 12 Jahren.
Heute falten wir hier auf dem Marktplatz viele Kraniche, die mittlerweile zum internationalen Zeichen gegen den Atomkrieg geworden sind. Sie sind herzlich dazu eingeladen.
Hiroshima und Nagasaki wurden zu einem Symbol, einer Mahnung an die Menschheit hinsichtlich der zerstörerischen Wirkung ihrer eigenen Waffen, insbesondere der Atomwaffen.
In beiden Städten wird an den Jahrestagen der Atombombenabwürfe der Toten gedacht und zur Abschaffung der Atomwaffen aufgerufen und appelliert, sich für Frieden in der Welt einzusetzen.
Heute, 80 Jahre später, ist die Gefahr so groß wie lange nicht mehr.
Die Atommächte, mittlerweile sind es neun (Russland, USA, China, Indien, Pakistan, Frankreich, Großbritannien, Israel, Nordkorea), investieren hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Arsenale. Gleichzeitig diskutiert die Politik über nukleare Aufrüstung in Europa und eine Atomwaffenkooperation zwischen Frankreich und Deutschland.
Fast alle Atomwaffenstaaten sind in Konflikte verwickelt. Tausende Atomraketen sind in ständiger Einsatzbereitschaft. Sie können Millionenstädte in Sekunden auslöschen. Im schlimmsten Fall lösen sie einen Atomkrieg aus, der das Ende unserer Zivilisation bedeutet.
Die Gefahr eines Atomkrieges kann und muss gebannt werden. Mehrere internationale Verträge schränken Atomwaffen ein:
Etwa das Atomteststoppabkommen von 1963, der Atomwaffensperrvertrag von 1970 und der UN- Atomwaffenverbotsvertrage vom 22. Januar 2021. Rund 70 Staaten sind ihm bereits beigetreten. Die Bundesrepublik Deutschland hat diesen Vertrag bisher noch nicht unterzeichnet. Mehr noch:
In Büchel (Rheinland-Pfalz) liegen in Bunkern15 bis 20 einsatzbereite US-Atombomben. Weiterhin sollen ab 2026 US – Mittelstreckenraketen stationiert werden, Sie dienen überwiegend als Trägermittel für Kernwaffen und zählen zu den substrategischen Nuklearwaffen.
Die Gefahr eines atomaren Konfliktes ist also nach wie vor vorhanden und aktueller denn je.
Die Erinnerung an Hiroshima und an Nagasaki ist mehr denn je eine notwendige Mahnung, endlich eine atomwaffenfreie Welt zu erreichen!
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
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