Lothar Letsches Ansprache am Denkmal für die Opfer des Faschismus

26. November 2017  Allgemein

Wir dokumentieren Lothar Letsches hochinformative Ansprache am Denkmal für die Opfer des Faschismus auf dem Reutlinger Friedhof „Unter den Linden“  bei der diesjährigen VVN-Gedenkfeier am  26.11.2017

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten, die sich heute zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus hier versammelt haben, ich bin Lothar Letsche, Mitglied des Geschäftsführenden Landesvorstands der VVN-BdA.
Mein Vater Curt Letsche war am 31. August 1947 in Tübingen einer der Gründer der VVN
Württemberg-Hohenzollern. Er war politischer Häftling im Zuchthaus Ludwigsburg gewesen und ich wurde im Mai 1946 buchstäblich als Kind der Befreiung geboren.
I.
Wir stehen vor dem Denkmal, das 1952 der Reutlinger Bildhauer Richard Raach geschaffen hat. Heute steht in der offiziellen Beschreibung:
„Erinnern soll die massige Steinskulptur an 128 Häftlinge aus 15 Nationen, deren Leichname aus den KZ-Außenlagern Hailfingen/Tailfingen, Bisingen, Dautmergen und Schömberg kamen und im Reutlinger Krematorium zwischen Oktober 1944 und Januar 1945 verbrannt wurden.“
Jener Menschen, deren Asche hier die letzte Ruhe gefunden hat, wollen wir heute gedenken.
Für die letzte Anstrengung der Nazis, das Ende des von ihnen vom Zaun gebrochenen
Zweiten Weltkriegs hinaus zu zögern, mussten sie sich zu Tode schuften. Zwischen
Rottenburg-Hailfingen und dem heutigen Gäufelden-Tailfingen wurde von 600 jüdischen
Arbeitskräften, die aus Auschwitz angefordert worden waren, unter mörderischen
Bedingungen ein Flugfeld gebaut. Fiktive Todesursachen wie „Herzmuskel- und
Kreislaufschwäche“ standen auf den Totenscheinen. Die anderen KZs gehörten zum Projekt  „Wüste“. Das war ein zum Scheitern verurteilter Versuch, für den erhofften „Endsieg“ der Nazis aus Steinschiefer noch irgendwie Erdöl herauszuholen. Alle diese KZ-Außenlager gehörten formal zum KZ Natzweiler-Struthof, das es aber zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr gab – die Alliierten hatten das Elsass bereits befreit.
128 Häftlinge aus den Außenlagern, wurden im Krematorium Reutlingen verbrannt. Ein
ehrendes Gedenken in der heutigen Form, mit Nennung ihrer Namen, wurde ihnen allerdings erst 2010 zuteil – einen Tag, nachdem das Mahnmal Hailfingen-Tailfingen vom
Landesrabbiner endlich eingeweiht werden konnte. In Hailfingen-Tailfingen hatten 99 der
hier Beigesetzten den Tod gefunden. 15 weitere endeten im Krematorium Esslingen, 75 in
einem Massengrab bei der Landebahn und später auf dem Tailfinger Friedhof.


Der Reutlinger Totengräber berichtete 1946:
„In der Zeit von etwa August/September 1944 bis 14. Januar 1945 kam etwa jede Woche mit nur kurzen Unterbrechungen (Montag oder Samstag) ein Lastwagen der Organisation Todt und brachte 10-12 Holzkisten enthaltend je zwei nackte männliche Leichen.(. .. ) Die
Transporte wurden von einem SS-Offizier geleitet und von 4 Männern begleitet …. Diese
Häftlinge verbrachten die Kisten mit den Leichen ins Krematorium. (. . .) Die Verbrennung
dieser Leichen erfolgte immer getrennt von anderen Verbrennungen.
Die beiden ersten Transporte begleitete ein Gestapo-Hauptmann, welcher mir den Befehl gab, die Verbrennungen vorzunehmen und die Asche zu zerstreuen. Trotz dieses Befehls
zerstreuten [wir] die Asche der Häftlinge nicht, sondern sammelten die Asche und
verbrachten sie in ein Grab der Abteilung Y des städt[ischen] Friedhofs. Nachdem das erste Grab gefüllt war, wurde ein zweites Grab angelegt. Die letzten Verbrennungen fanden am 14. Januar 1945 statt. Am 15. Januar wurde das Krematorium durch Luftangriff beschädigt und stillgelegt. Die beiden Aschengräber wurden zugedeckt und wie andere Gräber gerichtet und gepflegt.“
II.
Man kann über dieses Denkmal hier nicht sprechen, ohne über seine Geschichte zu sprechen.
Auf dem Sarkophag steht nur: „Den Opfern der Gewalt“. Irgendeiner Gewalt eben.
Wie kam das zustande?
Die VVN beantragte am 8.10.1951 bei der Stadt die würdige Beisetzung der Asche der KZ-Häftlinge. Die VVN wurde damals repräsentiert von Fritz Wandel, KPD-Stadtrat, nach der Befreiung einer der drei Stellvertreter des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters Oskar Kalbfell. Fritz Wandel war der Hauptredner der Kundgebung am 30. Januar 1933 beim Mössinger Generalstreik gegen die Machtübertragung an Hitler gewesen. Nach seinem Rückzug aus politischen Ämtern wegen Gesundheitsproblemen im Jahr 1948 arbeitete er bei der Friedhofsverwaltung. Zusammen mit Emil Bechtle und Albert Fischer hatte er den Reutlinger VVN-Kreisverband gegründet. Alle waren sie selber durch die Hölle von Nazi-KZs geschleppt worden.
Die Verwaltungsabteilung der Stadt war der Meinung, die würdige Ausgestaltung eines
solchen Mahnmals sei eine Selbstverständlichkeit. Die Technische Abteilung überwies die
Sache aber an den Gemeinderat, der es am 28.02.1952 behandelte. Die Rede war damals nur von Dautmergen und Bisingen. Im Gemeinderat kam sofort Gegenrede: für „diese Art
Kriegsopfer“ gebe es doch bereits ein Mahnmal in Bisingen. (Ja, das gibt es bis heute und das hatte die französische Besatzungsmacht errichten lassen und bis 1990 kümmerten sich die Franzosen darum.)
In Reutlingen müsse eine – Originalton – „wirkliche Gedenkstätte“ für „alle Opfer des
Nationalsozialismus“ errichtet werden, wozu „auch alle im Krieg Gefallenen und alle
diejenigen, die in Kriegsgefangenschaft und auf der Flucht bzw. bei der Ausweisung aus ihrer Heimat ums Leben gekommen sind“. Die Reutlinger Aschenreste der KZ-Opfer solle man nach Bisingen abtransportieren. Ein anderer parteiloser Stadtrat nannte das „eine kolossale Beleidigung der Opfer des Faschismus“. OB Kalbfell versuchte zu beschwichtigen und sprach von „Teilereignissen aus einem furchtbaren Geschehen“. Die in Reutlingen Verbrannten könne man nicht woanders hin verlegen. Um aber keiner „Pietätlosigkeit gegenüber anderen Kriegsopfern“ geziehen zu werden, wies der OB auf ein damals erst noch zu errichtendes „Kriegerdenkmal“ hin. Einige Stadträte beteuerten sehr heftig, von den Verbrennungen im Reutlinger Krematorium und überhaupt von den Naziverbrechen hätten sie erst nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft erfahren. Für „alle Opfer der Unmenschlichkeit“ solle „nur ein einziges Denkmal errichtet werden“. Zitat: „Wir leben in einer sehr schnellen und kurzlebigen Zeit! Wer weiß, wie man in 5 oder 10 Jahren über einen solchen Beschluss des Gemeinderats denken würde.“
OB Kalbfell erinnerte daran, dass die Rede sei von „Taten, die von Deutschen planmäßig
durchgeführt wurden, während in den anderen Fällen fremde Mächte die Verantwortung zu
tragen haben“. Der sozialdemokratische Stadtrat Blon – einer der Gründer der VVN, der ihr
trotz „Unvereinbarkeitsbeschluss“ seiner Partei treu blieb – erinnerte „die FDP daran, dass
auch aus ihren Reíhen Männer in den KZs waren“. Ein Stadtdirektor erinnerte daran, dass
„die Menschen, die in Frankreich, Russland usw. umgekommen sind, […] nicht auf dem
Friedhof in Reutlingen begraben“ sind. Diejenigen, die hier verbrannt wurden, seien
„lediglich aus ihrer politischen Gegnerschaft in die Lage gekommen. Man hat sie
systematisch beseitigt.“ Der Gemeinderat habe hier heute und nicht irgendwann später eine Aufgabe zu erfüllen.
Trotzdem wurde von der Mehrheit des Gemeinderats darauf insistiert, „alle Opfer des
Nationalsozialismus in einer Tafel zu vereinigen“. Mit 11 zu 9 Stimmen wurde das Mahnmal in der ursprünglichen Form beschlossen. Keinerlei Namen wurden genannt.
III.
Von Hailfingen-Tailfingen, ich erwähnte es, war damals noch nicht die Rede. Erst in den
1980er Jahren begann die wirkliche Aufarbeitung der Geschichte dieses KZ. Bei den Namen der Opfer wollte die Stadt Reutlingen es lange Zeit bewenden lassen mit einem Eintrag im offiziellen Gedenkbuch.
Erst als Angehörige der jüdischen Opfer vergeblich nach Spuren auf dem Friedhof suchten, nach langen und schwierigen Debatten, wurde der Forderung der VVN, des DGB, der SPD, und der GRÜNEN endlich entsprochen, an dem Mahnmal selbst eine Namenstafel anzubringen. Das geschah am 07.06.2010 durch die Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch.
IV.
Von Anfang an hat die VVN alljährlich diese Gedenkfeiern hier ausgerichtet. Leider, muss
ich sagen, in den letzten Jahren ohne Beteiligung der Stadt.
Bei manchen „Argumenten“, die da anscheinend vorgetragen werden, habe ich den Eindruck, wir sind wieder zurück in den 1950er Jahren. Nicht zuletzt deshalb habe ich das vorhin so ausführlich zitiert. Es ist aber nicht nur für die VVN-BdA indiskutabel, diese Gedenkfeier zu einem allgemeinen Kriegsgedenken umzudeuten oder damit zu vermischen.
V.
Vor sechs Jahren forderte hier ein Kollege von der IG Metall – ich zitiere den Zeitungsbericht – anlässlich der gerade publik gewordenen Mordserie durch den sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“: »Den Nazis muss der Boden entzogen werden …
Insbesondere die NPD als organisatorisches Rückgrat des Neofaschismus muss endlich
aufgelöst werden«, wobei er dazu sagte: »Ein Verbot dieser Partei ist nur ein Teil der Lösung des Problems.« Vielmehr müsse die Politik den Rechtsextremen den Nährboden entziehen.
»Vielfach schafft bereits die Furcht vor sozialem Abstieg das Ausmaß an Zukunftsängsten
und Minderwertigkeitsgefühlen, an denen Neofaschisten ansetzen … Rechtsextreme
präsentieren sich als Vorkämpfer für Arbeitsplätze, als Vertreter der kleinen Leute. Hier ist
Aufklärung notwendig.«
Das ist leider alles ganz grausig aktuell.

Ihr wisst, Sie wissen, dass das Bundesverfassungsgericht Anfang dieses Jahres beschlossen hat, die NPD nicht zu verbieten. In der Begründung steht der unfassbare Satz:„Die Wesensverwandtschaft einer Partei mit dem Nationalsozialismus rechtfertigt für sich genommen die Anordnung eines Parteiverbots nicht.“ Das Gericht stellt über die NPD
ausdrücklich fest, ihr Wirken ziele „auf eine Ersetzung der bestehenden Verfassungsordnung durch einen an der ethnischen ‚Volksgemeinschaft’ ausgerichteten autoritären ‚Nationalstaat’. Dieses politische Konzept missachtet die Menschenwürde aller, die der ethnischen Volksgemeinschaft nicht angehören, und ist mit dem grundgesetzlichen Demokratieprinzip unvereinbar.“ Die NPD arbeite „planvoll und qualifiziert auf die Erreichung ihrer gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Ziele hin.“
Jedoch fehle es „an konkreten Anhaltspunkten von Gewicht, die es zumindest möglich
erscheinen lassen, dass dieses Handeln zum Erfolg führt.“ Also erst kurz vor einer „möglich erscheinenden“ Machtergreifung solcher Nazis soll gegen sie ein Parteienverbot möglich sein.
Dem Faschismus wird damit ein höchstrichterlicher Freibrief als zwar zu missbilligende, aber bis kurz vor dem „Erfolg“ zu tolerierende politische Meinung ausgestellt. Dafür wurde sogar die Definition der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, in deren Namen so viele Berufsverbote verhängt worden sind, höchstrichterlich umgeschrieben.
Parallel dazu erdreistet sich das Hessische „Landesamt für Verfassungsschutz“, eine der
bekanntesten Berufsverbotsbetroffenen, nämlich Silvia Gingold, in unsäglicher Weise zu
bespitzeln mit der Begründung, dass sie auf Veranstaltungen der VVN-BdA aus den
Memoiren ihres Vaters, des jüdischen Widerstandskämpfers und hochdekorierten
Résistancekämpfers Peter Gingold, vorlese. So hört sich das im Wortlaut an:
Die VVN-BdA nimmt … mit ihren Aktivitäten am politischen Meinungs- und
Willensbildungsprozess mit dem Ziel teil, grundlegende Veränderungen des Systems in
Richtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung durchzusetzen. Die VVN-BdA beruft
sich hierbei auf den „Schwur der Häftlinge von Buchenwald”, der sich wiederum auf die, in
den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte, kommunistische Faschismustheorie stützt.
Diese bezeichnet den Kapitalismus als eigentlichen Urheber des Faschismus. „Demokraten“ seien demnach nur jene, die sich im Sinne dieser Theorie als „Antifaschisten“ betätigen.
Konkludent lehnt der Verband also die „kapitalistische“ [Anführungszeichen im Original],
mithin freiheitliche demokratische Grundordnung ab. Zu diesem Zweck duldet der Verband
auch auf Funktionärsebene Extremisten in seinen Reihen und steht insofern unter orthodox-kommunistischem Einfluss, insbesondere der DKP. Zur Verbreitung seiner politischen Ansichten betreibt der Verband eine Internetseite, und führt regelmäßig Veranstaltungen teilweise gemeinsam mit Linksextremisten, darunter auch Autonome – durch oder nimmt an Veranstaltungen von Linksextremisten teil. Zudem gibt der Verband das zweimonatliche Mitgliedermagazin „antifa“ heraus, um seine Ansichten zu verbreiten.
Das politische Vorgehen der VVN-BdA ist folglich darauf ausgerichtet die fdGO in ihrer
Geltung einzuschränken, und ist geeignet, dieses Ziel zu erreichen.
Dieser Blödsinn über die VVN – der dem entspricht, was auch die AfD im Landtag über
unsere vor 70 Jahren von den Überlebenden des Naziterrors gegründete antifaschistische
Bündnisorganisation verzapft – ist eine Verhöhnung der 51.000 gemordeten und der 21.000 überlebenden Häftlinge von Buchenwald.
Das zeugt zugleich von Unkenntnis des Grundgesetzes Artikel 15: „Grund und Boden,
Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein
Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere
Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden.“

Es zeugt von politischer Unkenntnis. Man könnte stundenlang über Faschismustheorien
referieren, die mit kommunistischen Parteien nichts am Hut haben, aber die Sache ähnlich
sehen wie Max Horkheimer – der führende Kopf der „Kritischen Theorie“ der „Frankfurter
Schule“ -, der es am Vorabend des 2. Weltkriegs im Exil so auf den Punkt brachte: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“.
Vor allem aber zeugt es von völliger Unkenntnis des Schwurs von Buchenwald, den auch
Fritz Wandel – vor 66 Jahren der Antragsteller für diese Gedenkstätte – als Mitglied der
internationalen Lagergemeinschaft der überlebenden Dachauer Häftlinge mit unterzeichnet hat. Ich verlese ihn zum Abschluss ungekürzt:
“Kameraden! Wir Buchenwalder Antifaschisten sind heute angetreten zu Ehren der in
Buchenwald und seinen Außenkommandos von der Nazi-Bestie und ihren Helfershelfern
ermordeten 51 000 Gefangenen!
51 000 erschossen, gehenkt, zertrampelt, erschlagen, erstickt, ersäuft, verhungert, vergiftet,
abgespritzt.
51 000 Väter-Brüder-Söhne starben einen qualvollen Tod, weil sie Kämpfer gegen das
faschistische Mordregime waren.
51 000 Mütter und Frauen und Hunderttausende Kinder klagen an!
Wir lebend Gebliebenen, wir Zeugen der nazistischen Bestialität, sahen in ohnmächtiger Wut unsere Kameraden fallen.
Wenn uns eins am Leben hielt, dann war es der Gedanke: Es kommt der Tag der Rache!
Heute sind wir frei!
Wir danken den verbündeten Armeen der Amerikaner, Engländer, Sowjets und allen
Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt den Frieden und das Leben erkämpfen.
Wir gedenken an dieser Stelle des großen Freundes der Antifaschisten aller Länder, eines
Organisatoren und Initiatoren des Kampfes um eine neue, demokratische, friedliche Welt, F.D. Roosevelt. Ehre seinem Andenken! [Roosevelt war eine Woche vorher verstorben.]
Wir Buchenwalder, Russen, Franzosen, Polen, Tschechen, Slowaken und Deutsche, Spanier, Italiener und Österreicher, Belgier und Holländer, Engländer, Luxemburger, Rumänen, Jugoslawen und Ungarn, kämpften gemeinsam gegen die SS, gegen die nazistischen Verbrecher, für unsere eigene Befreiung.
Uns beseelte eine Idee: Unsere Sache ist gerecht – Der Sieg muss unser sein!
Wir führten in vielen Sprachen den gleichen harten, erbarmungslosen, opferreichen Kampf, und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum!
Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des
faschistischen Grauens:
Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer
neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig. Zum Zeichen
Eurer Bereitschaft für diesen Kampf erhebt die Hand zum Schwur und sprecht mir nach:
,WIR SCHWÖREN! “
Lasst uns in diesem Sinn im Sinne der Überlebenden gemeinsam weiterhin zusammen wirken gegen Nazismus, Rassismus, Antisemitismus. Nationalismus, für Frieden und Demokratie – nicht nur bei Gedenkfeiern und bei der Geschichtsarbeit, sondern auch in politischen Veranstaltungen und Kampagnen, und wenn es sein muss, auf der Straße.
Herzlichen Dank, dass ihr heute gekommen seid.

Lothar Letsche übermittelte uns folgende Angaben zu den Quellen:

1. Das Protokoll der Reutlinger Gemeinderatssitzung von 1952, faksimiliert und aufbereitet für die politische Bildung in der Schule:

http://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/bp_2016/imperialismus_und_erster_weltkrieg/kriegerdenkmal-reutlinger-friedhof-unter-den-linden/ab9_mahnmal_kz_opfer.pdf

2. Die Biografie von Fritz Wandel

https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Wandel

(Anmerkung: Dass er Anfang der 1950er Jahre die Anlaufadresse der VVN in Reutlingen war, wissen wir durch die Archivforschungen zu 70 Jahren VVN Württemberg-Hohenzollern.)

3. Das Mahnmal in Bisingen (wohin einer der Stadträte 1952 die Asche der in Reutlingen eingeäscherten Häftlinge “entsorgen” wollte, was ein anderer zu Recht skandalös fand):

http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.bisingen-das-monument-wurde-vor-dem-muell-bewahrt.fc38d63f-6ed5-4dfd-8731-4058c51e8582.html

(Anmerkung: Dass die Franzosen dort ein riesiges Kreuz aufstellten, obwohl fast alle der dort Beigesetzten Juden waren – und deren Symbol ist nun mal nicht das Kreuz -, war wohl einfach Nachkriegs-Gedankenlosigkeit. Auf dem Platz befinden sich heute auch einige Gedenksteine im Stil jüdischer Gräber.)

4. Geschichte von Hailfingen-Tailfingen und (ab S. 465) der im Reutlinger Krematorium verbrannten dortigen Häftlinge

http://www.kz-gedenkstaette-hailfingen-tailfingen.de/pdf/kzht.i.ge.au_mallsh_a.pdf

5. Namenstafel Einweihung 2010:

https://www.reutlingen.de/de/Aktuelles+Info/Nachrichten/Nachricht?view=publish&item=article&id=1814

6. Gedenkfeier 2011

http://www.gea.de/region+reutlingen/reutlingen/+aufklaerung+ist+notwendig.2302212.htm

7. Was ich zum Nicht-NPD-Verbot ausführte, entstammt dem Antragsmaterial für den VVN-BdA-Bundeskongress 2017. Über das Silvia Gingold-Urteil informiert ausführlich (als Schwerpunktthema) die neueste Ausgabe von “antifa”, außerdem www.berufsverbote.de, “Aktuelles”.