Regionalstadtbahn kommt und fährt durch die Gartenstraße

Wir haben heute im Reutlinger Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, dass die Regionalstadtbahn durch die Gartenstraße fahren wird! – So vernetzen wir die Innenstadt am besten und schöpfen das volle Potential des Nahverkehrs aus. Ab 2029 soll der schrittweise Ausbau der „Gomaringer Spange“ beginnen. Im folgenden dokumentieren wir die Rede von Timo Widmaier aus der Sitzung:

Liebe Stadträte,
liebe Reutlinger Bürgerinnen und Bürger,

heute entscheiden wir über die Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn sowie die Strecke durch Betzingen und Ohmenhausen und die Freigabe weiterer notwendiger Planungsschritte um das Projekt wortwörtlich endlich auf die Gleise zu bringen.

Die Regionalstadtbahn ist eine Chance für Reutlingen und die ganze Region. Eine Chance, die Mobilität für Bürgerinnen und Bürger attraktiver zu machen, das Einzugsgebiet für Kunden und Fachkräfte zu erweitern sowie den Tourismus zu fördern, egal ob Wanderer aus der Region oder Touristen aus der ganzen Welt. Sie alle eint, dass sie gut, günstig, zuverlässig und unabhängig in und durch unsere Stadt wollen. Dafür schaffen wir mit der Regionalstadtbahn nicht nur für Reutlingen, sondern für die ganze Region eine wunderbare zukunftsfähige Lösung.

Wir fördern also gleich mehrere Faktoren, die unsere kommunale Wirtschaft stärken und das ist letztlich der einzig realistische Weg aus der Krise. Wenn wir nicht wie andere Fraktionen unsere Stadt abwickeln und letztendlich das Licht ausmachen wollen, dann müssen wir in unsere Zukunft, in unsere Mobilität und unsere Attraktivität als Stadt investieren und deshalb stehen wir voll und ganz hinter dem Projekt Regionalstadtbahn.

Wir stimmen für die Variante Gartenstraße. Sie erschließt die Innenstadt am besten und bietet mit der gemeinsamen Bus-Achse hervorragende Umsteigemöglichkeiten. Außerdem ist sie in Hinblick auf Kosten vs. Fahrgastpotenzial die wirtschaftlichste Option. Auch die Lederstraße ist eine denkbare Alternative, jedoch deutlich teurer bei nur minimal größerem Fahrgastpotenzial und es müssten viele große Bäume gefällt werden, was unser Stadtbild – um diesen Begriff mal wieder vernünftig zu verwenden – nachhaltig beschädigen würde.

Für Betzingen folgen wir den Empfehlungen der Verwaltung, auch wenn wir es schade finden, dass der Bezirk nur gestreift wird, die Vorzugsvarianten, die aufgrund der standardisierten Bewertung bindend sind, boten kaum sinnvolle Alternativen. Für Ohmenhausen wünschen wir uns eine Zweigleisigkeit, da wir der Meinung sind, dass die Regionalstadtbahn – wie übrigens alle bisherigen Projekte dieser Art – die Schätzungen der Fahrgastzahlen schnell übersteigen wird. Die Trasse Ohmenhausen wird also zügig an ihre Belastungsgrenze kommen und absehbar Quelle für Verspätungen werden. Bei einem solchen Projekt auf Kante zu nähen scheint uns nicht sinnvoll und wird eher dazu führen, dass irgendwann doch nachgebaut werden muss, man also nichts gewonnen hat, außer eine eine zweite Baustelle. Daher unterstützen wir den Änderungsantrag hierzu.

Auf keinen Fall in Frage kommt für uns aber die Honauer Variante. Wir bauen keine Regionalbahn und wir bauen auch nicht die alte Reutlinger Straßenbahn wieder auf. Wer das verstanden hat kann diese Variante nur ablehnen. Die Idee eine Regionalstadtbahn ist einfach erklärt und doch scheinbar schwer zu verstehen: Wenige aber dafür zentrale (!) Halte in den Städten und schneller Verkehr zwischen diesen. Von den 3 Haltestellen in der Innenstadt dann ggf. mit dem Bus oder zu Fuß zu weiterführenden Zielen. Multimodaler Nahverkehr wie aus dem Lehrbuch eben. Wenn man es richtig macht. Deshalb ist auch nur die Gartenstraße sinnvoll, da nur dort eine Verknüpfung mit der Busachse sinnvoll und ohne größere Umgestaltungen möglich ist, das beste Kosten/Nutzen Verhältnis entsteht und dem Einzelhandel und Gewerbe in der Innenstadt die bestmögliche Entwicklungschance in Richtung Osten bietet, man denke dabei nur mal an die dann dazwischenliegende Metzgerstraße.

Das Projekt kostet Geld, das stimmt. Was aber auch stimmt ist: 93% der Milliardenkosten werden von Bund und Land finanziert. Ja, auch die übrigen 7% werden uns vor Herausforderungen stellen, aber unterm Strich wird es ein Gewinn und darum geht’s. Oder in anderen Worten: Wenn das Wasser bis zum Halse steht sollte man den Kopf nicht hängen lassen. Unsere aktuelle Finanznot hängt auch damit zusammen, dass Bund und Land Aufgaben übertragen ohne dafür ausreichend Geld zur Verfügung zu stellen. Die Städte müssen also Probleme der Regierungen lösen, auf eigene Kosten, mit denen sich diese dann im Wahlkampf wieder rühmen werden. Dieses Projekt hier ist endlich Mal eines, das den Spieß umdreht: WIR profitieren und Bund und Land müssen (fast alles) zahlen. Genau hier dann Nein zu sagen wäre hirnrissig und für die Kommunen ein weiterer Sargnagel.

Wir stehen also an einem Punkt, an dem wir unsere Stadt fit für die Zukunft machen können oder an dem wir vor eigentlich lösbaren Problemen resignieren und auf das Prinzip Hoffnung setzen: Einfach lang genug sparen, bis magischerweise alles wieder besser wird. Das kann keine Lösung sein.

Wir als Linke und Partei sagen ganz klar: Wir brauchen keine Hoffnung, wir brauchen Chancen! Und eine Regionalstadtbahn durch die Gartenstraße ist genau das! Deshalb stimmen wir mit Freude für diese Variante und die Fortführung der Planung und Umsetzung des Projekts. Und dann können wir uns vielleicht auch irgendwann wieder die regenbogenfarbene Bänke, sanierte Schulen und vieles mehr leisten.

Vielen Dank.

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