Ein Weißwäscher in der GEA-Redaktion

10. Februar 2015  Allgemein

Zu den “Forderungen aus Athen” schreibt Oliver Jirosch einen Kommentar unter dem Titel: “Solidarität statt Reparationen” der völlig geschichtsvergessen jede menschliche Solidarität mit dem Schicksal des griechischen Volkes vermissen lässt.
Die Bundesregierung behauptete mehrfach wahrheitswidrig, durch die Zahlung von 115 Mio. DM (Vertrag vom 18.3.1960) hätten sich die Reparationen erledigt. Dabei betraf dieses Abkommen jene Menschen, die „wegen ihrer Rasse, ihres Glaubens oder ihrer Weltanschauung“ verfolgt worden waren, also vor allem die ermordeten Juden von Thessaloniki und anderer Gebiete der Ägäis. Weder war in diesem Abkommen von Reparationen für Kriegsschäden noch für die „Sühneopfer“ an der Zivilbevölkerung die Rede.
Ähnlich wie die deutschen Bundesregierungen argumentiert der GEA-kommentator Oliver Jirosch am 10.02.2015, allerdings mit der nebulösen Formulierung: „Deutschland hat nach dem Krieg umgerechnet viele Milliarden Euro als Entschädigung überwiesen“ und er spricht damit den „populistischen Forderungen“ der Griechen die Berechtigung ab.

Während der deutschen Besatzung wurden 460 griechische Ortschaften völlig zerstört und etwa 60 000 Zivilpersonen, Frauen, Männer und Kinder umgebracht. 65 000 griechische Jüdinnen und Juden wurden deportiert und ermordet.
Manolis Glezos (ältestes Mitglied des Europaparlaments): „1770 Dörfer wurden in unserem Land niedergebrannt, mehr als 400.000 Wohnhäuser in Schutt und Asche gelegt. So ist unser Land zum Schauplatz einer niemals zuvor gesehenen Tragödie geworden…“

Deutscher Raubzug in Griechenland
In der Zeit der deutschen Besatzung wurde Griechenland systematisch ausgeraubt. Griechenland war für die Nazis das Experimentierfeld, in dem sie die für den Überfall auf die Sowjetunion entwickelten Strukturen des raubwirtschaftlichen „Kahlfraßes“ erprobten. Beim Generalstab der 12. Armee wurde ein Verbindungsoffizier des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamts des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) eingesetzt, dessen Aufgabe darin bestand, alle beweglichen Wirtschaftsgüter zu plündern und ins Reich abzutransportieren. Im großen Stil wurden griechische Bodenschätze wie Chromerz, Zink, Zinn, Kupfer, Bauxit, Mangan und Nickel in Richtung Deutschland abtransportiert. Aber auch die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Landes wie Rosinen, Olivenöl, Baumwolle, Zucker, Reis und die Getreidevorräte wurden weggeschafft. Von den internationalen Getreide- und Lebensmittelmärkten war Griechenland durch die britische Blockade abgeschnitten.
Und da die Deutschen die ohnehin schwach entwickelte Infrastruktur wie etwa die strategische Bahnlinie Saloniki – Athen ausschließlich für ihre Nachschublieferungen nach Kreta und Nordafrika nutzten, kamen auch die innergriechischen Lebensmitteltransporte zum Erliegen. Mindestens 100.000 Griechen verhungerten damals. 400.000 waren obdachlos. Epidemien grassierten, jeder Dritte litt 1945 an Malaria, Typhus, Tuberkulose.
Die deutsche Besatzungspolitik in Griechenland war so brutal wie in keinem anderen nichtslawischen Land. Als sich die Deutschen ab Oktober 1944 aus Griechenland zurückzogen, hatten sie das Land nicht nur wirtschaftlich ruiniert, sondern auch weitgehend zerstört.
In der Bundesrepublik wurde niemand für das Massaker in Kommeno verurteilt. Auch nicht für die Massenmorde an Zivilisten in Distomo, Kalavrita, Kandanos, Kondomari und etlichen anderen Orten. Diese Verbrechen begingen die SS, die Wehrmacht, vor allem Gebirgsjäger, die noch brutaler als die Waffen-SS operierten. Die Bundesregierung antwortete 2008 auf Anfrage der Linkspartei unbeirrt: „Von einer verbrecherischen Geschichte der Gebirgstruppen zu sprechen, ist historisch falsch.“
1945 taxierte die Regierung in Athen den Schaden auf 10 Milliarden Vorkriegsdollar. Deutschland weigerte sich hartnäckig, Entschädigungen zu zahlen. 1960 zahlte Bonn 115 Millionen Mark im Rahmen der sogenannten Globalentschädigung an Athen.
Das war weniger, als die Niederlande erhielt. Nach 1990 lehnte Deutschland jede weitere Forderung ab. Dabei hat die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs formal noch Schulden in Athen. Das Hitler-Regime hatte 1941 die griechische Staatsbank zu einem Kredit gezwungen. Das NS-Regime hatte offiziell anerkannt, dass es Athen noch 476 Millionen Reichsmark schuldete, und mit der Rückzahlung begonnen. Laut dem in Athen lehrenden Historiker Hagen Fleischer entspricht diese Summe heute 6 Milliarden Euro – ohne Zinsen. Doch alle Bundesregierungen haben nach 1960 alle Forderungen von Athen und auch von einzelnen Opfern kompromisslos zurückgewiesen. Das Thema sei „durch Zeitablauf erledigt“, so die deutsche Rechtsposition.
Bei einer angenommenen Verzinsung von nur drei Prozent müsste der deutsche Staat 54 Mrd. Euro für die Zwangskredite und 108 Mrd. Euro für die von der Wehrmacht angerichteten Schäden bezahlen.
(Spiegel-Online, 7.4 2013)

Quelle: www.gskk.eu