Theodor Bergmann in der Galerie Zelle

21. Februar 2013  Allgemein

Mittwoch Abend am 20.02.2013. Die Galerie Zelle füllt sich komplett mit überwiegend jungen Leuten, die den Zeitzeugen des Hitler-Faschismus Theodor Bergmann hören wollen, der fast 97-jährige, der mit unglaublicher Vitalität über die Ursachen und aktuellen Gefahren des Faschismus spricht.
Galerie ZelleTheodor Bergmann, der sich selbst als kritischen Kommunisten definiert, war bereits vor der Machtübertragung auf Hitler, Mitglied der KPO (Kommunistische Opposition), die sich vom stalinistischen Kurs der KPD abgrenzte und die “Klassenbrüder” in der SPD nicht als Feinde betrachtete. Der Aufruf zur Aktionseinheit der KPO-Führer, einer davon der Reutlinger Lehrer August Thalheimer, blieb ungehört. Die Organisationen der Arbeiterbewegung “erlitten eine kampflose Niederlage”.

Theodor Bergmann forderte die jungen Zuhörer immer wieder auf, sich nicht nur “zu empören” (Stefan Hessel), sondern sich zu organisieren, sich zu wehren, zu streiken, wie das die Griechen, Spanier und Franzosen machen. Er selbst habe sich in der Linkspartei organisiert, obwohl er nicht mit allem einverstanden sei, aber es gäbe keine bessere Alternative. DIE LINKE sei eine offene tolerante Partei, die ihre internen StreitigkeiBergmann1ten beigelegt hätte und mit Bernd Riexinger und Katja Kipping Vorsitzende hat, die für diese Offenheit stehen. Mit viel Ironie betonte er immer wieder, dass die Deutschen, auch die deutschen Kommunisten, alles besser wissen und können, nur die Erfolge blieben aus.
In der Pressekonferenz am gleichen Tag berichtete von seiner Rückkehr aus dem Exil nach Deutschland 1946, wo er es vorzog im Westen zu leben, weil ihm im Osten, bei seinen Genossen, ihm als kritischen Kommunisten das Gefängnis gedroht hätte, wie es einigen seiner Freunde ergangen sei. Er erlebte wie im Westen mit vielen Nazis in der Adenauer-Regierung und den folgenden, der kapitalistische Staat aufgebaut wurde und die Verfolgung und Diffamierung von Kommunisten und Sozialisten sich mit dem sogenannten Radikalenerlass “des großen Willi Brandt” fortsetzte.

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Bericht in den Reutlinger Nachrichten vom 22.02.2013 >>>

Biographisches über Theodor Bergmann: >>>